c't 4/2020
S. 72
Test & Beratung
Musik-PlugIn

Vielsaitig

Mit Plug-ins kann man den Sound von E-Gitarren stark formen. Neural DSP Archetype Nolly geht dabei einen anderen Weg als andere Erweiterungen.

Klassischen Röhrensound gibt es nur mit einem ordentlich aufgedrehten Verstärker, sagt man. Das stimmt so längst nicht mehr. Mit einer digitalen Audio Workstation (DAW) im Computer und einer via Interface angestöpselten Gitarre kann man auch als rücksichtsvoller Mietwohnungsgitarrist alles von zart bis hart spielen – und zwar mit cleanen Akustik-Sounds bis zum Black-Metal-Gezerre. Plug-ins wie das Neural DSP Nolly sollen dabei für eine möglichst große Nähe zum klanglichen Original sorgen. Der finnische Anbieter hat in jüngster Zeit besonders bei Metal-Fans eingeschlagen.

Anders als vergleichbare Plug-ins, etwa von Bias FX 2, Amplitube 4 oder Guitar Rig 5, erschlägt das Neural-DSP-Paket nicht mit einer Vielzahl von Verstärkern, Lautsprechern, Bodentretern und anderer Geräte in der Effektkette. Der namengebende Gitarrist Adam „Nolly“ Getgood hat mit den Klangbastlern von Neural DSP nur vier Verstärker (Clean, Crunch, Rhythmus und Lead) und vier Lautsprechersimulationen ins Paket gepackt, dazu eine Handvoll Pedale für Verzerrung, Delay- und Reverb-­Effekte sowie Kompression. Ein Equalizer regelt die Behandlung von neun Frequenzbereichen. Mit diesen virtuellen Gerätschaften hat Nolly 29 Presets gebastelt, weitere 18 stammen vom Progressive-Metal-Producer Forrester Savell und acht Basis-Voreinstellungen steuerten die DSP-Ingenieure von Neural bei. So kommt man auf 55 hochflexible auswählbare Sounds für die Gitarre. Jedes dieser Presets kann man ändern und als eigene Voreinstellung speichern. 

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