c't 2/2017
S. 27
News
Forschung

Jetstream im Erdinneren

Anhand von Satellitendaten haben Wissenschaftler im flüssigen äußeren Erdkern (orange) eine außergewöhnlich starke Fließbewegung identifiziert, die das Magnetfeld unseres Planeten beeinflusst. Bild: ESA

Das Magnetfeld der Erde, für das größtenteils elektrische Wirbelströme im flüssigen äußeren Erdkern verantwortlich sind, ändert sich kontinuierlich. Ein Weg, Informationen über die Entwicklung des Erdmagnetfeldes zu gewinnen, ist die Beobachtung aus dem All. Die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) hat zu diesem Zweck drei identische Forschungssatelliten ins All befördert, die seit Ende 2013 die Erde umkreisen.

Aus den Daten der drei sogenannten SWARM-Satelliten, die Stärke, Orientierung sowie zeitliche Veränderung des Magnetfeldes messen, lassen sich wiederum Rückschlüsse auf die Dynamik im äußeren Erdkern ziehen. Und die hat es in sich: „Mithilfe der Satellitendaten konnten wir jetzt erstmals eine Art Jetstream, also eine außergewöhnlich starke Fließbewegung im äußeren Erdkern identifizieren“, erklärt Geophysiker Phil Livermore von der University of Leeds.

Es handelt sich dabei um einen mehr als 400 Kilometer breiten Strom aus flüssigem Eisen, der ringfömig unter Alaska und Sibirien verläuft und sich aktuell mit einer Geschwindigkeit von etwa 40 Kilometern pro Jahr Richtung Westen bewegt. „Das ist dreimal schneller als die typische Fließgeschwindigkeit im äußeren Erdkern – und das Tempo nimmt zu“, verdeutlicht Livermore.

Aufmerksam auf das Phänomen wurde man durch ein auffälliges Magnetfeld-Muster in der nördlichen Hemisphäre. Angst müssen Menschen deshalb aber nicht haben: Die Forscher gehen davon aus, dass es sich um einen langfristigen Fluktuationsprozess handelt, in dessen Verlauf sich die Strömung abschwächen und irgendwann auch umkehren wird. (pmz@ct.de)

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Straßen zerstückeln das Ökosystem Erde

Schon in der Bronzezeit vor 5000 Jahren legten Menschen befestigte Straßen an, um Handel zu treiben und neue Gebiete zu erschließen. Inzwischen bedecken Straßennetze mit einer Gesamtlänge von über 30 Millionen Kilometern den Globus. Das ist gut für die Wirtschaft, aber schlecht für die Natur.

„Das Überleben der Erde hängt ganz besonders von funktionstüchtigen Ökosystemen ab“, erklärt Pierre Ibisch, Naturschutzprofessor an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. „Straßen unterbrechen zum Beispiel den Genfluss in Tierpopulationen, erleichtern die Ausbreitung von Schädlingen und Krankheiten und erhöhen die Bodenerosion.“

Gemeinsam mit einem internationalen Wissenschaftler-Team hat Ibisch Daten von OpenStreetMap ausgewertet und eine globale Karte erstellt, die aufzeigt, dass Straßen die Ökosysteme auf den Kontinenten heute in rund 600.000 Teilgebiete fragmentieren. Von den verbliebenen straßenfreien Räumen sind demnach lediglich 7 Prozent größer als 100 Quadratkilometer – das entspricht in etwa der Fläche von Worms.

„Da sich die Straßen rasch weiter ausdehnen, ist es dringend notwendig, eine globale Strategie für die wirksame Erhaltung, Restaurierung und Überwachung von straßenfreien Räumen und der in ihnen enthaltenen Ökosysteme zu schaffen und umzusetzen“, fordert Ibisch. Bislang seien lediglich 9 Prozent dieser Gebiete geschützt. (pmz@ct.de)